Richard Stávek kaufte seinen ersten Weinberg noch als Student — zu einer Zeit, als Naturwein in Mähren noch gar keinen Namen hatte. Es gab die Szene noch nicht, die Begriffe noch nicht, niemand in Mitteleuropa schaute in diese Ecke. Die erste Ernte brachte über tausend Liter, und ein paar dieser ersten Flaschen stehen bis heute in seinem Keller.
Heute bewirtschaftet er 15 Hektar bei Němčičky in Südmähren — aber weniger als ein Drittel davon sind Reben. Der Rest ist ein kleines Ökosystem: Ziegen, aus deren Milch er Käse macht, Bienen, deren Honig im Medový Muškátek landet, Aprikosen- und Kirschbäume, Gemüse je nach Saison. Er trocknet sogar eigene Eichendauben für Fässer des österreichischen Fassbinders Stockinger — dieselbe Eiche, in der später seine Weine reifen.
Kultivierte Hefe hat er 1999 aufgegeben — mitten in seiner Uni-Forschung zu Selektionshefen und Bakterien, die ihn ziemlich desillusioniert zurückliess. 2008 war er Mitgründer von Autentista, dem ersten proto-natürlichen Weinkollektiv des Landes — fünf Jahre später zerbrach es an einem Landstreit, der bis heute nicht wirklich verheilt ist.
Seine 4,5 Hektar Reben sind im Schnitt 50 Jahre alt, gepflanzt in den sandigen, kalkreichen Böden Südmährens. Die meisten seiner Weine sind Field Blends — mehrere Sorten wachsen und werden gemeinsam auf derselben Parzelle geerntet und vergoren. Riesling, Grüner Veltliner, Blaufränkisch, St. Laurent, lokale mährische Sorten, alle nebeneinander — so wie es schon immer war, bevor jemand entschied, dass Monokultur effizienter sei.
Nichts zugesetzt, nichts erzwungen — kein Schwefel, keine Schönung, keine Filtration. Ganze Trauben, mit den Füßen gestampft, mit wilder Hefe in offenen Holzbottichen vergoren, gereift in einem halb verlassenen Kellerdorf, dessen jüngstes Gebäude über 250 Jahre alt ist. Sein erster richtiger Verkauf lief, bevor er überhaupt Etiketten drucken liess — eine Käuferin verliebte sich in eine lang mazerierte Partie und nahm gleich alles, und er signierte jede Flasche von Hand mit einem Filzstift. Vom Naturwein-Hype um ihn herum lässt er sich bis heute nicht beeindrucken. Seine Weine sind geduldig, weil er es ist.