Bevor Naturwein in Mähren einen Namen hatte, machte Richard Stávek es bereits. Er begann Mitte der 1990er Jahre, seine Reben zu bewirtschaften — bevor die Szene existierte, bevor die Terminologie ankam, bevor irgendjemand auf diesen Teil Mitteleuropas aufmerksam wurde. Er kam nicht durch Erbschaft zum Wein, sondern durch Neugier: sein Hintergrund lag im Lebensmittel- und Weinjournalismus, was bedeutete, dass er genau wusste, was in den Flaschen um ihn herum fehlte.
Heute bewirtschaftet er 15 Hektar in der Nähe von Němčičky in Südmähren — aber weniger als ein Drittel davon sind Reben. Der Rest ist ein Ökosystem: Ziegen, deren Milch er zu Käse verarbeitet, Bienen, deren Honig in den Medový Muškátek fließt, Aprikosen- und Kirschgärten, Saisongemüse. Er trocknet sogar Eichenholzstäbe, die ihren Weg in Fässer des österreichischen Fassbinders Stockinger finden. Dieselbe Eiche prägt schließlich auch seine Weine: reife Fässer, Zeit statt Druck, Körper ohne Last.
Seine 4,5 Hektar Reben sind durchschnittlich 50 Jahre alt, gepflanzt in den sandigen, kalksteinhaltigen Böden Südmährens. Die meisten seiner Weine sind Feldmischungen — mehrere Sorten, gemeinsam gewachsen und geerntet auf demselben Grundstück, zusammen vergoren. Riesling, Grüner Veltliner, Blaufränkisch, St. Laurent, lokale mährische Sorten — alle nebeneinander, so wie es immer war, bevor jemand entschied, dass Monokultur effizient sei.
Nichts zugefügt. Nichts erzwungen. Kein Schwefel, keine Schönung, keine Filtration. Ganze Trauben, mit den Füßen gestampft, mit indigener Hefe in offenen Holztanks vergoren. Seine Weine sind geduldig, weil er geduldig ist. Jedes Jahr ist des Wartens wert.